Nachdem ich mich in Warschau mit reichlich Materialien, einem Berg aus Büchern, alten Fotografien und Stadtplänen (und unzähligen Fotokopien) eingedeckt hatte, verbrachte ich diesen Sommer damit, diesen imposanten Stapel zunächst Seite für Seite zu studieren, später zu lichten und schließlich – auf Grundlage des sorgsam selektierten Stoffes – einen ersten Enwurf meiner Szenographie zu erarbeiten. Wie erwartet erwies sich – abgesehen von dem Bildmaterial – bloß eine Handvoll der gefundenen Texte als hilfreich:
Allem voran Janusz Korczak im Ghetto [J. K. w Getcie, Oficyna Wydawnicza „Latona”, Warszawa 1992 ], ein Band, der eine wertvolle Ergänzung zu Korczaks Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto [Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1996] darstellt, umfasst er doch die parallel entstandenen Texte: Korczaks Briefe, seine Arbeitsberichte, seine privaten Notizen (darunter den für meine Szenographie so wichtigen Text Zwei sonderbare Träume [Dwa sny moje dziwne, April 1942]), aber auch Prosatexte, die er trotz der sich verschlimmernden Lage für die wöchentlich erscheinende Zeitung des Dom Sierot beisteuerte.
Diese Texte bilden das Fundament für einen der beiden Handlungsstränge: die Aufführung von Rabindranath Tagores Postamt in Janusz Korczaks Waisenhaus. Der andere Handlungs- strang führt uns indes nach draußen, ins Ghetto. Es ist die Geschichte der 9-jährigen Genia, zu der mich Betty Jean Liftons Biographie Der König der Kinder. Das Leben von Janusz Korczak [Klett-Cotta, Stuttgart 1990] inspirierte. Mehr darüber demnächst …
P.S. Die hier erwähnten Bücher werde ich in den nächsten Tagen noch genauer vorstellen.