Igor Newerly, Der Junge auf dem alten Foto. Ein Gespräch in meinem Garten am 5. August [Rozmowa w sadzie piątego sierpnia. O chłopcu z bardzo starej fotografii], Warszawa: Czytelnik: 2003.

Um mir ein Bild von Korczaks Persönlichkeit, aber auch dem Zusammenleben in Dom Sierot zu machen, habe ich Igor Newerlys Der Junge auf dem alten Foto ausgewählt. Ein Buch von einem Menschen, dem es beschieden war, in der Zeit von 1926-1942 engstens mit dem Alten Doktor zusammenzuarbeiten, zunächst als dessen Sekretär, später als Redaktionsleiter beim Mały Przegląd (Kleine Rundschau).

Der Junge auf dem alten Foto, erstmals 1978 erschienen, soll zunächst junge Menschen mit dem Leben Korczaks vertraut machen. Auch wenn der didaktische Ton – Newerly unterhält sich hier mit einer Gruppe Pfadpfinder – auf den heutigen Leser ein wenig befremdend wirkt, erweckt das Buch den Eindruck, ein authentisches, lebensnahes Bild Korczaks zu liefern. Die Anekdoten aus dem Alltag der Waisenhäuser zeugen davon, dass es sich bei der „Kinderrepublik“ keinesfalls um ein utopisches Projekt handelte. Korczak erscheint hier als sensibler, vertrauenswürdiger Pädagoge, als souveräner und doch stets sympathischer Vorgesetzter, schließlich als eine Art moderner Tyrtaios, der die Bevölkerung mit seinen Radiosendungen ermutigt, als 1939 der Krieg ausbricht. Da der Schwerpunkt der Schilderung auf den Ereignissen vor 1942 liegt, liefert Der Junge auf dem alten Foto wenig Substanz, aus der sich mein Projekt nähren könnte. Dennoch bleibt es eine wichtige Lektüre.