Janusz Korczak
Janusz Korczak / Henryk Goldszmit (geb. in Warschau am 22. Juli 1878 bzw. 1879; ermordet in Treblinka am 5. oder August 1942) – Arzt, Pädagoge, Schriftsteller, Sozialarbeiter, „Beschützer der Wehrlosen“, der sich Zeit seines Lebens Warschau verbunden fühlte. Nachdem er dort seine Promotion als Facharzt für Pädiatrie erhalten hatte, arbeitete er an der Baumann-Berson-Kinderklinik. 1911 übernahm er die Leitung des Jüdischen Waisenhauses Dom Sierot in der Krochmalnstraße 92. Eine Aufgabe, der er bis zu seinem Tod treu bleiben sollte. Trotz immenser Arbeitsbelastung war er auch an der Errichtung und Führung des Waisenhauses Nasz Dom beteiligt. In beiden Häusern wendete man nicht nur sein Erziehungsmodell an, sondern untersuchte auch nach den von ihm aufgestellten Kriterien die Entwicklung sozialer Strukturen unter den dort lebenden Kindern. Als Mitglied charitativer Organisationen trat Korczak oft als Redner in Erscheinung, mit dem Ziel, die Öffentlichkeit auf die Lebensbedingungen der Warschauer Waisenkinder aufmerksam zu machen. 1926 rief er die Kleine Rundschau (Mały Przegląd, 1926-1939) ins Leben: die erste Zeitschrift der Welt, die von Kindern selbst redigiert wurde. Bekannt geworden durch seine Arbeit und seine Bücher, bekam er 1934 eine eigene Rundfunksendung (Der alte Doktor, 1934-36, 1938-39).
Korczaks Werk, das sich sowohl an Erwachsene als auch an Kinder richtet, umfasst mehr als 20 Bücher und über 1.400 Artikel, die in verschiedenen Zeitschriften – etwa 100 an der Zahl – erschienen sind. Seine Karriere als Schriftsteller, Journalist und Autor wissenschaftlicher Aufsätze begann 1896 und endete am 4. August 1942 mit dem letzten Eintrag in sein Tagebuch.
Doch unsterblich sollte er vor allem durch seine Selbstaufopferung werden: Als Anfang August 1942 die etwa 200 Kinder des Waisenhauses gemeinsam mit ihren Erziehern von der SS zur so genannten „Umsiedlung in den Osten“ abgeholt wurden, bestand er trotz angebotener Fluchtmöglichkeit darauf, die Kinder zu begleiten. Wie sie wurde er vermutlich am 5. August 1942 – nur einen Tag zuvor bricht sein Tagebuch ab – im Vernichtungslager Treblinka ermordet.
VERÖFFENTLICHUNGEN (EINE AUSWAHL)
Kinderbücher
König Hänschen der Erste (Król Maciuś Pierwszy, 1923)
König Hänschen auf der einsamen Insel (Król Maciuś nad wyspie bezludnej, 1923)
Wenn ich wieder klein bin (Kiedy znów będę mały, 1925)
Pädagogische Schriften
Wie man ein Kind lieben soll (Jak kochać dziecko, 1919)
Das Recht des Kindes auf Achtung (Prawo dziecka do szacunku, 1928)
Die Regeln des Lebens (Prawidła życia, 1930)
Fröhliche Pädagogik (Pedagogika żartobliwa, 1939)
Andere
Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto (Pamiętnik, 1958)