Wie bei allen guten Digen hat es auch hier ein wenig gedauert, bis das grafische Konzept feststand. Nun darf losgeschrieben werden. Für den Anfang sollte ich vielleicht den enigmatischen Titel erklären …
Krochmalna 92 – so lautete einst die Adresse des berühmten Warschauer Waisenhauses Dom Sierot, mit dessen Leitung 1912 Janusz Korczak betraut wurde und das schon bald zum Synonym für eine neuartige, „fröhliche Pädagogik“ werden sollte. Über dieses Haus, genau: seine letzten Monate, schreibe ich derzeit ein Buch. Ein Buch über Korczak? Gibt es da nicht genug? Zugegeben. Wer einen kurzen Blick auf die Korczak-Bibliographie wirft, wird feststellen, dass es zu diesem Thema in jedem denkbaren Genre etwas Vortreffliches gibt: Monographien, Erinnerungen von Zeitzeugen, Biographien, Bücher für den Schulgebrauch, Romane, Erzählungen und Gedichte, Theaterstücke … Was soll also das Neue daran sein? Das Neue an diesem Buch wird – so viel darf ich verraten – der Fokus sein: Im Mittelpunkt meiner Darstellung werden die gesichtslosen MitarbeiterINNEN des „Alten Doktors“ – namentlich Stefania Wilczyńska und Esther Winogroń – stehen. Heute, 67 Jahre nach den dramatischen Ereignissen im Warschauer Ghetto, erscheint mir eine solche Würdigung umso notwendiger, als allzu leicht übersehen wird, dass Korczak auf die tatkräftige Unterstützung dieser Menschen angewiesen war, dass sie gar eine grundlegende Voraussetzung für sein pädagogisches Konzept bildete. Ebenso wie die Tatsache, dass die etwa 200 Kinder des Dom Sierot auf ihrem Weg nach Treblinka nicht von Korczak allein begleitet wurden.
In meinem Blog beabsichtige ich – soweit es sich gestattet – die Arbeit an meinem Buch zu dokumentieren, meine Ideen, Inspirationen, aber auch Bedenken festzuhalten. In der Hoffnung, dass dies für den einen oder anderen interessant sein könnte.
Meinen ersten Eintrag will ich nicht beenden, ohne der Robert Bosch Stiftung für Ihre Förderung zu danken. Dank ihr darf ich nun ein Projekt realisieren, dass mir besonders am Herzen liegt: zum Einen, weil mich Korczaks Leben und Werk seit jeher faszinieren, zum Anderen, weil die Recherchen für dieses Buch mich in meine Heimat führen werden.